Bewaffnung

Constitution Cannon

Das wichtigste Geschütz der Segelkriegsschiffe war die Kanone. Fregatten führten auf ihrem einzigen vollständig bewaffneten Geschützdeck je nach Größe zwischen 20 und 30 davon. Die Kanonen des Batteriedecks besaßen üblicherweise alle dasselbe Kaliber und dieselbe Rohrlänge. Die typischen Fregatten aus dem Ende des 18. Jahrhunderts führten als Hauptkaliber 9- 12- oder 18-Pfünder, sehr selten 24-Pfünder.  

Eine britische Neuentwicklung aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges waren die Carronaden. Dies waren sehr kurze und leichte, aber großkalibrige Geschütze.  Die wichtigsten Kaliber waren 24- und 32-Pfünder. Carronaden wurden auf Back und Achterdeck von Fregatten aufgestellt, neben leichteren Kanonen. Die Constittuion besaß bei ihrer Indienststellung 1798 noch keine Carronaden auf dem Oberdeck, sondern hatte dort noch  Kanonen.  

 

Allgemeines zur amerikanischen Schiffsartillerie 

Die USA waren Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jhdts noch nicht in der Lage, den Bedarf an Geschützen durch die eigene Industrie vollständig zu decken, so daß auch Geschütze importiert wurden, insbesondere aus Großbritannien.  

Die Besonderheiten der amerikanischen Geschützentwürfe gegenüber britischen lag im höheren Gewicht des Rohrs im Verhältnis zum Geschoß.  Dies hatte insbesondere bei Carronaden den Vorteil, daß der Rückstoß etwas geringer ausfiel und sie anscheinend wengier oft umkippten als britische Modelle.  Der Nachteil höheren Gewichts liegt natürlich in der schwereren Handhabung und der zusätzlichen Belastung des Schiffs.  Ein äußeres Kennzeichen amerikanischer Kanonen war die Fortlassung  des sogenannten Mittelbandes (ein Verstärkungsring in der Mitte des Rohrs) wie es auch bei den Franzosen üblich war.  Während dies auch auf die britischen Geschütze nach dem Blomefield-Muster nach 1796 zutraf, zeigt die Zeichnung eines amerikanischen 24-Pfünders von 1807 zudem, daß der Fries des 1. Bruchs fortgelassen wurde. Das Rohr besaß einen Brookrauring wie das Blomefield-Muster.

 

Die Bewaffnung der Constitution 

1793 hatte Humphreys für die großen Fregatten eine Hauptbatterie von entweder 28 32-Pfündern oder 30 24-Pfündern vorgeschlagen. Auf dem Achterdeck - wohlgemerkt sprach Humphreys nicht vom gesamten  "spar deck" - sollten 12-Pfünder aufgestellt werden, wobei er keine genaue Zahl nannte.1 Die Entwürfe wurden schließlich für 30 24-Pfünder auf dem Batteriedeck ausgelegt.  Gegen Ende ihrer aktiven Dienstzeit, 1847,  wurde die Constitution dann übrigens doch noch mit einigen 32-Pfündern auf dem Batteriedeck ausgerüstet. Bemerkenswert ist, daß Humphreys für das Achterdeck noch eine Bewaffnung aus Kanonen vorschlägt und die seit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg üblich gewordenen Carronaden noch keine Berücksichtigung fanden.  

Die Aussagen zur Bewaffnung des Schiffs während des ersten Einsatzes im amerikanisch-französischen "quasi war" sind ziemlich unterschiedlich. Nach Magoun befanden sich  achtundwzanzig 24-Pfündern auf dem Batteriedeck und zehn 12-Pfündern auf dem Achterdeck bewaffnet, die aus Großbritannien stammten.2 Canney gibt 30 24-Pfünder und 14 - 16 18-Pfünder an; nach Tyrone Martins Darstelling erscheint es, als habe das Schiff 30 24-Pfünder, 14 18-Pfünder und 16 12-Pfünder geführt, was jedoch selbst für die Constitution eine übermäßige Bürde gewesen sein könnte. 

Nach dem Einsatz gegen Tripolis wurden die Kanonen auf dem Spar Deck durch 42-Pfünder-Carronaden ersetzt.

Bei der Ausrüstung der Fregatte im Sommer 1811 entschloß sich Kapitän Hull, die schweren 42-Pfünder-Carronaden auf dem Wetterdeck nicht wieder aufstellen zu lassen. Eine weitere Stückpforte soll im Bereich des Kuhl eingebaut worden sein, um dort gegebenenfalls die beiden 24-Pfünder der Back, die vermutlich sonst als Jagdgeschütze dienten, aufstellen zu können. Dies waren aufgebohrte britische 18-Pfünder.3

Im Gefecht der Constitution gegen die Guerriere bestand die Bewaffnung aus: 30 x 24-Pfünder-Kanonen, 24 x 32-Pfünder -Carronade, 2 x 24-Pfünder-Kanonen (aufgebohrte 18-Pfünder).4

Der bereits zitierte George Jones berichtet für das Jahr 1826, daß die Constitution mit Ausnahme von zweien noch dieselben Geschütze besäße wie im Krieg von 1812, "some of them are marked by the enemy's balls."5    

Datum        Batteriedeck   Oberdeck      Total 
     Zahl  Kalib. Typ    
 
 Zahl  Kalib. Typ     
1794*    30  24  Kan.    14  12  Kan.    44
1798   30  24  Kan.    14/16  18  Kan.   44/46 
1803   30  24  Kan.    16  18  Kan.    46
1804    30  24  Kan.    14  12  Kan.    
             8  32  Carr.    52
1809   30  24  Kan.    18  42  Carr.    
               2  24  Kan.    50
1812   30  24  Kan.    24  32  Carr.    
               1  18  Kan.    55
1834      24  Kan.    20  32  Carr.    
             2  24  Cong.    
1843     26   24  Kan.    20   32   Carr.    50
      4   68   Paix.            
1847   26   32  Kan.    20  32  Kan.    50
      4    8''  Paix.            
1860    6 32-Pdr. 42 Cwt, 10 32-Pdr 33 Cwt  16
                     

 *Diese Bewaffnungsangaben sind auf einem Takelplan von 1794 vermerkt, also Jahre vor der Fertigstellung.  1798 hätte die Constitution tatsächlich entsprechend bewaffnet werden sollen, es waren aber nicht genug 12-Pfünder verfügbar.

 

 

 

Anmerkungen

 1Joshua Humphreys am 6. Januar 1793  an Robert Morris; H,C. S. 36. 

2 Hollis, S. 43.

3 William James,Naval History Vol VI, S. 97.

4 William James, Account, S. 108.

5 Jones, S. 91.